Mary Moon: Luft
Von den vier Elementen ist Luft jenes, das eine dynamische Vorstellungskraft bedingt, denn in der Luft ist Bewegung bedeutender als Substanz, die es zugleich nur bei Bewegung gibt. Es ist die Luft, die es uns erlaubt Phasen der Sublimierung zu realisieren. Um die verschiedenen Nuancen dieser aktiven Sublimierung und ihre wahrhaftige Dynamik zu verstehen, muss man sich darüber im Klaren sein, dass die aus dem Sehen entstehende Bewegung nicht dynamisch ist. Die visuelle Bewegung bleibt strikt kinematisch, denn das Sehen folgt zu willkürlich der Bewegung, um uns zu lehren sie gänzlich zu erleben. Die formelle Vorstellungskraft und ihre Spielarten, die Vorahnungen, die die visuellen Bilder vollenden, entfernen uns von ihrem substantiellen Anteil. Nur die Zuneigung zu einem Stoff kann eine reell aktive Anteilnahme bestimmen, die uns erlaubt vom besonderen Einzelfall auf das Allgemeine zu schließen und nur diese materielle und dynamische Induktion, diese „Duktion“ durch die Intimität der Realität, kann unser inneres Wesen erhöhen. Wir erlernen dies, indem wir zwischen uns und den Sachen eine Entsprechung der Stofflichkeit herstellen. Um dies zu erreichen müssen wir einen Raum betreten, den man „Gegen-Raum“ nennen kann. Es ist der Luftraum. Das Anwenden einer verstehenden Psychologie des unendlichen Gegenraums hilft sich vorzustellen, dass sich in der Unendlichkeit der Luft die Dimensionen auflösen und wir auf diese Weise diese nichtdimensionale Materie berühren, die uns den Eindruck einer absoluten Sublimation unseres Inneren beschert. Man kann dies eine aufsteigende Psychologie nennen, denn die Einladung zu einer luftartigen Reise ist immer fest mit dem Gefühl eines Aufstiegs verbunden. Man spürt also, dass es Beweglichkeit der Bilder in dem Ausmaße gibt, in dem sich die dynamische Vorstellungskraft den luftigen Phänomenen zuneigt und in dem man sich einer Erleichterung und einer Leichtigkeit bewusst wird. So wird das aufsteigende Leben zur intimen Realität. Die Arbeiten aus der „Luft“-Serie von Mary Moon zu Istanbuls Architektur veranschaulichen dies; zu einem gewissen Ausmaß auch für den Betrachter. Philipp Rabe

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